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Zufriedene Bilanz nach toller Vorrunde

Andras Podpinka(bb) – Einige Tischtennis-Experten hatten sich erstaunt gezeigt, als der TV Hilpoltstein, bisher viermal hintereinander fast aus der 2. Bundesliga abgestiegen, vor der Saison Ambitionen auf einen Platz im vorderen Tabellendrittel anmeldete. Zwei spektakuläre Neuzugänge sollten helfen: Alexander Flemming, 22-jähriger Sachse vom Meister 1.FC Saabrücken gekommen, der ihn in der 1. Bundesliga plötzlich nicht mehr brauchen konnte, und Andras Podpinka, 41, ehemaliger ungarischer Weltklasse-Akteur mit deutschem Pass, der aber als „schwierig“ galt. Entsprechend unterschiedlich fielen die Reaktionen aus: Während die einen die Mittelfranken nach wie vor zu den Abstiegskandidaten zählten, trauten ihnen die anderen durchaus einen Spitzenplatz zu.

Nach der Vorrunde kann man etwas Paradoxes feststellen: Beide Vorhersagen kommen der Realität recht nahe. Das für viele überraschende 8:8 beim Tabellenführer Tegernheim am letzten Wochenende zeigt ebenso die klare Tendenz nach oben wie die fünf denkbar knappen Niederlagen gegen immens starke Gegner. Dennoch waren es mindestens drei Niederlagen zu viel, um sich schon „zur Halbzeit“ einen vorderen Tabellenplatz zu sichern. 7:11 Punkte und Platz 7 klingen für manchen Fan von Bindhammer und Co. nicht berauschend. Die TV-Verantwortlichen ziehen dennoch eine positive Bilanz.

„Es ist die stärkste 2. Bundesliga Süd aller Zeiten und es kann fast jeder jeden schlagen“. Diese vielfach vor der Saison geäußerten Vorhersagen treffen voll zu. Weltklasse-Ballwechsel am laufenden Band, extrem spannende Begegnungen mit häufig mehr als vier Stunden Spieldauer und eine rekordverdächtige Zuschauer-Resonanz lassen die Herzen zahlreicher Tischtennisfans höher schlagen. Hilpoltstein steht mal wieder – jetzt schon im fünften Jahr hintereinander – an der Spitze der Zuschauertabelle. Rund 300 Anhänger der schnellsten Ballsportart der Welt pilgerten im Durchschnitt in die Stadthalle, selbst bei den Auswärtsspielen hatte der Hilpoltsteiner Fanblock häufig die „Lufthoheit“, in der Begeisterungsfähigkeit sind die Mittelfranken jetzt schon erstligareif.

Spielerisch fehlt ihnen noch ein bisschen was, um ganz vorne mitzumischen. Gerade das hintere Paarkreuz mit Hilpoltsteins „Mr. Tischtennis“ Felix Bindhammer und Kapitän Alexander Möst verspielte mehrmals eine Führung. Durch Verletzung (Möst) und Berufsstress (Bindhammer, Möst) verursachter Trainingsrückstand lässt sich eben nicht in wenigen Wochen aufholen, insofern tut die Spielpause bis zum Beginn des neuen Jahres auch dem tschechischen Nationaltrainer Tomas Demek ganz gut, der ebenfalls nicht ganz an seine grandiosen Leistungen der letzen Saison anknüpfen konnte.

Philipp Floritz hat in seinem zweiten Jahr beim TV Hilpoltstein einen phänomenalen Aufstieg hingelegt. Der noch 17-jährige Jugend-Nationalspieler hat sich unter den Fittichen des bayerischen Verbandstrainers Thomas Wetzel prächtig entwickelt. Seine beiden bayerischen Erwachsenentitel, sein zweiter Platz bei den Jugend-Europameisterschaften, seine überraschende Teilnahme bei den Herren-Europameisterschaften und sein jetzt zweites Mitwirken bei den Jugend-Weltmeisterschaften haben den jungen Mann  – verbunden mit den zahlreichen Lehrgängen, zwei davon in Asien, und den Doppelbelastungen aus Jugend- und Erwachsenensport – viel Kraft gekostet. Kraft, die ihm in manchem Bundesligaspiel gefehlt hat. Dennoch hat sich Jung-Nationalspieler Floritz mit seinem Sieg im letzten Vorrundenspiel seinen Platz im vorderen Paarkreuz auch in der Rückrunde gesichert. Die TV-Verantwortlichen freuen sich mit ihm und sind überzeugt, dass der „Shootingstar des deutschen Tischtennissports“ noch lange nicht an seinem Leistungszenit angekommen ist, jetzt aber ein bisschen Zeit braucht, um das alles auch mental zu verkraften. Diese Zeit werden sie ihm geben.

In kürzester Zeit hat sich Alexander Flemming in die Herzen der Hilpoltsteiner Fangemeinde gespielt. Seine attraktive Spielweise, seine unglaublicher Kampfgeist und sein sympathisch-bescheidenes Auftreten auch außerhalb der Spielbox begeistert alle. Flemmings Bilanz im vorderen Paarkreuz kann sich wahrlich sehen lassen. Dass er die Vorrunde als einer besten Spieler dieser superstarken Liga beenden würde, hätte er sich selbst nicht träumen lassen. Am 19./20. September wird er die Farben seines neuen Vereins beim wichtigsten deutschen Ranglistenturnier, dem TOP 16, vertreten.

Da auch Andras Podpinka sowohl als Spieler wie auch als Jugendtrainer im Verein und im Verband zu einem „Volltreffer“ geworden ist, gehen die Hilpoltsteiner mit viel Zuversicht in die Winterpause. „Es wird sich in der Rückrunde noch einiges bewegen lassen“, ist man beim mittelfränkischen Aushängeschild überzeugt. Die Ziele liegen immer noch im Bereich des Machbaren.

Die Vorrunden-Bilanz der Hilpoltsteiner Spieler:

1. Alexander Flemming 12:6

2. Philipp Floritz 6:12

3. Andras Podpinka 13:4

4. Tomas Demek 11:6

5. Felix Bindhammer 6:11

6. Alexander Möst 6:10

 

Saisonheft 2017 (pdf)
Jubiläumsheft (pdf)

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